Ein detektivischer einstieg in die Ahnenforschung – mit praktischer Anleitung, überraschenden Quellen, typischen Sackgassen und Checkliste zum Durchstarten.
Es beginnt oft mit etwas Unscheinbarem. Ein Foto einer unbekannten Person, die auf dem Dachboden entdeckt wird. Wer war sie? Weshalb wurde nie über sie gesprochen? Eine alte Urkunde, ein Zeitungsbericht über eine Straftat, eine Geschichte, die in der Familie erzählt wird. Wie viel Wahres steckt darin?
Für viele ist es schlicht die Frage nach der eigenen Identität. Woher komme ich eigentlich?
Mein Interesse an der Ahnenforschung wurde geweckt durch die Geschichte der Flucht meiner Vorfahren aus Böhmen und meiner Bewunderung für meine Urgroßmutter, die allein mit zwei Kindern diese Entscheidung treffen musste. Der Versuch, eine Situation zu verstehen, die ich zum Glück bislang nicht erleben musste, fesselte mich.
Denn genau so beginnt Ahnenforschung: Durch Neugier. Egal, welche Frage dich antreibt: Mit ihr hast du bereits die erste Spur entdeckt.
Verfolge die ersten Spuren
Zeugen befragen
Diese erste Geschichte – der erste Gedanke, der deine Neugier geweckt hat, die solltest du unbedingt bewahren. Du kannst dir die Geschichte nochmal erzählen lassen und dabei eine Aufzeichnung laufen lassen oder du notierst sie dir. Darunter notierst du direkt all die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden. Das ist Ahnenforschung. Du wirst immer wieder auf Erkenntnisse stoßen, die weitere Fragen auslösen. Solange du noch nicht weißt, wie du vorgehen sollst, geht es erstmal darum, alles festzuhalten. Du schreibst dir jedes Datum, jeden Namen, jeden Ort und jede Geschichte auf und legst die Notiz dann in einem gesonderten Ordner ab. Wenn du magst, nutze ein hübsches Notizbuch.
Die erste Frage, die ein angehender Genealoge seiner Familie stellen sollte, lautet: Wer könnte mehr dazu wissen?
Nicht selten gibt es bereits jemanden in der erweiterten Verwandtschaft, der bereits Ahnenforschung betreibt. Wenn das so ist, hast du Glück: Ein Teil der Familie könnte bereits erforscht sein und du erhältst mit einem Anruf oder Besuch bereits eine solide Basis an Daten. Glaub mir: Wir Ahnenforscher freuen uns, wenn jemand sich für unsere Forschung interessiert und wir teilen sie wirklich gern!

Gibt es bisher noch keine Forschung, macht das nichts. Du beginnst bei dem was du hast und befragst deine Familie selbst. Das eigene Geburtsdatum werden wohl alle wissen – die ihrer Eltern und Geschwister im besten Fall auch. Notiere alles und nimm besonders die ältesten Familienmitglieder, die du finden kannst, ins freundliche „Kreuzverhör“. Deren Eltern und Großeltern werden nämlich diejenigen sein, die du später in den Kirchenbüchern und frei zugänglichen Standesamtsdokumenten finden wirst.
Wie finde ich meine Vorfahren, wenn ich niemanden fragen kann?
Nicht immer sind die Informationen über die eigenen Eltern oder Großeltern durch Nachfragen verfügbar. Familiengeheimnisse können vielerlei Gründe haben und nicht immer kann man Familienmitglieder davon überzeugen darüber zu sprechen – egal wie sehr man sich nach den eigenen Wurzeln sehnt. Das erschwert die Suche zwar, macht sie aber nicht unmöglich. In der Regel versuchen wir über Zeugenbefragungen den Zeitraum der Sperrfristen der Personenstandsregister zu überbrücken. Wenn aus der Familie jedoch niemand Auskunft über die Lebensdaten und -orte der Vorfahren geben kann oder möchte, musst du versuchen, diese Daten vom Standesamt zu erhalten. Ich plane einen Beitrag zu diesem Thema, trag dich am besten in den Newsletter ein, um ihn nicht zu verpassen.
Praxis-Tipp: Frage nicht nur nach dem Datum von Geburt, Taufe, Hochzeit und Beerdigung, sondern immer auch nach dem (genauen) Ort. Auch von den Personen, von denen kein Datum bekannt ist. Wenn du den Ort weißt, findest du das Datum später heraus. Andersherum ist es viel schwieriger!
Durchsuche, was andere übersehen
Wenn du nun also bereits deine Verwandten kontaktierst, sie besuchst und mit ihnen plauderst, wirst du oft auf weitere kleine Schätze stoßen. Vor allem Fotoalben werden gerne gezückt und es ist schön, gleich ein Gesicht zu den Personen zu bekommen, über die ihr sprecht. Plötzlich taucht darauf ein bislang unbekannter Onkel auf, der noch nie erwähnt wurde.

Geheimtipp: Sieh dir auch die Rückseiten der Fotos an, manchmal stehen dort kurze Botschaften oder Erläuterungen, aus denen du ableiten kannst, wann und wo die Bilder aufgenommen wurden oder wer darauf zu sehen ist.
Als besonders hilfreich erweisen sich Sterbebilder und Trauerkarten. Diese sind manchmal mit einem Foto des Verstorbenen gestaltet, beinhalten aber fast immer die Geburts- und Sterbedaten. Alte Stammbücher liefern Daten ganzer Familien, und Briefe geben Hinweise auf Reisen, Ausbildungen oder die Auswanderung eines entfernten Cousins. So erweitert sich die Forschung schnell in ungeahnte Breite und führt dich an unerwartete Orte.
Einordnung der ersten Erkenntnisse
Nun dürfte dein Notizbuch bereits ordentlich gefüllt sein. Vielleicht wird es nun etwas unübersichtlich und verwirrend. Nicht umsonst nutzen auch Ermittler große Tafeln auf denen sie Beweise und Verbindungen visuell darstellen. Und auch für dich ist nun der Zeitpunkt gekommen, deinen ersten Stammbaum zu erstellen. Es gibt eine Vielzahl von Tools, Vorlagen und Software, die mit wunderschön designten Stammbäumen werben – für den ersten Stammbaum empfehle ich dir allerdings ein großes Blatt Papier.
Warum? Jede Familie ist anders – einfache Vorlagen zum Ausfüllen schränken hier ein. Mehr Flexibilität bietet eine Genealogie- oder Stammbaum-Software, doch die Suche nach „dem richtigen Programm“ kann am Anfang überfordern und frustrieren. Du wirst irgendwann eine Software brauchen, doch dafür ist noch Zeit. Jetzt geht es darum, eine Struktur in die Daten zu bringen und diese zu verstehen. Wenn du deinen Stammbaum selbst skizzierst, wirst du dir die Zusammenhänge und Beziehungen viel besser vorstellen und sie tiefer verstehen können.
Übrigens: Dieser Stammbaum muss (noch) keinen Schönheitspreis gewinnen. Er muss weder in Symetrie noch Farben überzeugen. Beginne mit dir selbst und ergänze Generation nach Generation deine Vorfahren. Erfasse Geschwister entweder als Liste unter ihren Eltern oder mit eigenen Blöcken an den Seiten. Wenn der Platz knapp wird klebst du ein weiteres Blatt an und ergänzt dort Seitenlinien, die du mit einem Lineal an die richtige Position verbindest. Am Ende darf das alles chaotisch aussehen, wichtig ist, dass die Verbindungen stimmen. Du wirst den Stammbaum verstehen und darauf kommt es an.
Dein Stammbaum ist (noch) nicht das finale Ergebnis deiner Forschung, sondern ein Hilfsmittel um für die weitere Ermittlungsarbeit den Überblick zu bewahren.
Jetzt beginnt die eigentliche Forschung: Diese Quellen bringen dich bei der Ahnenforschung weiter

Du hast mit deinem Stammbaum nun so etwas wie ein Ermittlungsboard geschaffen. Die „Verdächtigen“ sind alle erfasst und sicher stehen auch ein paar Fragezeichen darauf. Gerade in entfernteren Generationen wird die Datenlage oft etwas dünner. Hier fehlt ein Heiratsdatum, dort ein Vorname. Du bist bereit für die Recherche in Standesamt und Kirchenbuch.
Spätestens jetzt wirst du verstehen, warum es so wichtig ist, die Orte deiner Vorfahren zu kennen. Um das richtige Kirchenbuch zu finden musst du nämlich wissen, zu welcher Pfarrei der Tauf-, Heirats- oder Beerdigungsort des Vorfahren gehörte, nach dem du suchst. Zum Finden der richtigen Pfarrei oder des richtigen Standesamts ist vor allem das Geschichtliche Ortsverzeichnis von CompGen sehr hilfreich, das sowohl die politische als auch die kirchliche Eingliederung eines Ortes zu verschiedenen Zeiten skizziert und dir damit den Weg an den „Tatort“ weist.
Standesamtregister und Personenstandsregister
Du wirst feststellen, dass viele Genealogen vorrangig mit Kirchenbüchern Arbeiten. Dies hat zwei Gründe: Zum einen wurden die Standesämter je nach Forschungsort zu verschiedenen Zeitpunkten eingeführt. Im Deutschen Reich wurden sie zwischen 1874 und 1876 eingeführt, im Sudetendeutschen Gebiet erst ab 1938. In manchen Orten gab es bereits ab der napoleonischen Zeit Zivilstandsregister. Kirchenbücher dagegen wurden bereits seit längerer Zeit und in fast allen Orten geführt. Das macht den Einstieg etwas leichter. Zum anderen sind Kirchenbücher inzwischen überwiegend online gestellt. Bei den Personenstandsregistern ist die Lage etwas komplexer und vom jeweiligen Landes- bzw. Staatsarchiv abhängig. Wenn du in Bremen forschst, hast du Glück, hier gibt es ein großes Digitalisierungs-Projekt. Viele andere Bundesländer bieten Digitalisate nur teilweise online an, manche in Zusammenarbeit mit kostenpflichtigen Plattformen. In Bayern und mehreren anderen Bundesländern ist eine Online-Suche nach Standesamtsunterlagen aktuell nicht möglich. CompGen hat sich die Mühe gemacht und den aktuellen Stand der Digitalisierung im Bundesgebiet zusammengefasst. Den Link dazu findest du in der Linkliste am Ende des Artikels.
Kirchenbücher
Viele Ahnenforscher beginnen deshalb ihre Recherchen in den Kirchenbüchern. Diese stehen zum großen Teil und über Landesgrenzen hinweg heute online zur Verfügung und es muss kein zeitaufwendiger Ausflug ins Archiv stattfinden. Die Suche findet bequem zuhause auf dem eigenen Bildschirm statt.
Idealerweise hast du die Religionszugehörigkeit deiner Ahnen durch die Befragungen ermitteln können. Falls dem nicht so ist, beginnst du deine Suche bei der im Ort verbreitetsten Religion und suchst dort nach einem deiner Vorfahren, dessen Geburtsdaten du kennst. Falls er dort nicht eingetragen ist, obwohl du dir des Ortes sicher bist, arbeitest du dich durch die anderen Konfessionen, bis du fündig wirst. Die Chancen stehen gut, dass die Eltern und weiteren Ahnen dann derselben Religion angehörten. Du kannst bei der nächsten Suche also gleich im Kirchenbuch dieser Konfession beginnen.
Sind Kirchenbücher kostenlos online durchsuchbar?
Die meisten Kirchenbücher im deutschsprachigen Raum sind online zugänglich. Allerdings sind nicht alle kostenlos einsehbar. Die katholischen Kirchenbücher stehen überwiegend kostenlos online zur Verfügung. Die evangelischen Kirchenbücher werden dagegen auf Archion angeboten. Eine Suche dort ist nur mit kostenpflichtiger Mitgliedschaft möglich.
Am besten startest du mit deiner Suche bei einer Person, deren Geburtsdatum (oder zumindest Monat und Jahr) und Geburtsort du kennst. Lass dir dabei Zeit, es wird beim ersten Mal natürlich etwas dauern, bis du dich in den Online-Archiven zurechtfindest, das ist völlig normal. Wenn du das richtige Kirchenbuch gefunden hast, beginnt die Detektivarbeit: Du siehst die Einträge durch, bis du jemanden findest, der zu den Daten passen könnte. Gleiche ab, ob auch die Namen der Eltern stimmen, um dich zu vergewissern, dass es der richtige Eintrag ist. Oft finden sich in den Geburtseinträgen genauere Angaben zu Wohnort und Beruf der Eltern und manchmal sogar zu den Namen der Großeltern.
Am Ende des Artikels findest du direkte Links zu diversen Archiven und Quellen, damit du direkt loslegen kannst.
Warum viele genau hier aufgeben – und du es nicht musst (typische Stolperfallen)
Die Sache mit den alten Schriften
„Aber ich kann die Schrift ja nicht lesen. Da bringt mir das Kirchenbuch nichts.“ Ja, es ist schwierig und die Seiten sehen auf den ersten Blick völlig unleserlich aus. Allerdings muss das kein Grund zum Aufgeben sein. Gerade am Anfang ist für die Suche erstmal nur wichtig, dass man den Namen erkennt. Wenn du glaubst, den richtigen gefunden zu haben und dir die Entzifferung des ganzen Eintrags Schwierigkeiten bereitet, sind andere Forscher in Vereinen und Foren meist gerne bereit zu helfen. Mit der Zeit wirst du auch besser darin, die Schriften zu erkennen. Sehr hilfreich ist dabei, dass sich die Kirchenbucheinträge aus dem 20. und 19. Jahrhundert vom Aufbau her untereinander meist sehr gleichen. So ist der Eintrag der Mutter zum Beispiel oft:
Maria, geboren am 14.03.1876 in Beispielort, Tochter des Max Mädchenname, Bauer allhier und dessen Ehegattin Magdalena.
Die Mutter des Kindes wird dann in allen Einträgen in dieser oder ähnlicher Reihenfolge beschrieben. In diesem Fall also: Name, Geburtsdatum, Vater, Beruf des Vaters, Mutter. Häufig werden Beruf und Nachname nur beim Mann angegeben, außer es handelt sich um eine uneheliche Geburt, weil dann der Nachname der Mutter von dem des Vaters abweicht. Wenn du diesen Aufbau erstmal in allen Spalten der Kirchenbücher verstanden hast, kommst du mit der Zeit immer schneller voran.
Und wenn du Freude an der Spurensuche gefunden hast, gibt es Online eine Vielzahl an Tipps und auch Kurse, um Sütterlin und Kurrent zu lernen, damit auch schwierigere Dokumente dich nicht mehr aufhalten können. Ich habe damals ein recht günstiges Übungsheft des „Bundes für deutsche Sprache und Schrift e.V.“ genutzt, um Sütterlin schreiben zu lernen. Auch das verlinke ich dir unten.

Wenn Orte nicht mehr existieren: Ahnenforschung trifft auf Regionalgeschichte
Die Wichtigkeit von Orten und Ortskenntnis habe ich bereits mehrere Male erwähnt. Doch was, wenn dieser Ort bereits verschwunden ist?

Wenn ich herausfinden möchte, wo ein Ort liegt, den ich nicht kenne, gehe ich zuerst auf Google Maps. Das klappt in vielen Fällen gut, und doch solltest du dir der Grenzen dieses Dienstes bewusst sein. Viele kleinere Orte und Weiler werden nicht angezeigt und Orte, die über die Jahrzehnte gänzlich verschwunden sind, kennt Google gar nicht. Doch wie finde ich diese verschwundenen Orte heute noch?
Mit den oben genannten Tipps bist du für solche Härtefälle jedoch bereits gut gerüstet, denn du weißt, dass du direkt im Geschichtlichen Ortsverzeichnis von CompGen nachsehen kannst. Falls es selbst dort noch keinen Eintrag gibt, beschäftige dich mit der Geschichte der Region. Gab es eine größere Umsiedlung, z.B. aufgrund des Baus eines Staudamms oder eines Bergwerks? Gerade in solchen Momenten lohnen sich Umwege über Regional- und Heimatgeschichte, um das Leben und die Bewegungen der Vorfahren besser zu verstehen und nachzuvollziehen.
Fehlende Quellen
Kirchenbücher waren nicht immer und nicht für alle ein so wertvoller Schatz, wie sie für uns Ahnenforscher heute sind. Manche lagen jahrelang auf irgendwelchen Kirchturmspeichern unter undichtem Dach. Auch Feuer hat viele Quellen vernichtet, wie der Brand im Staatsarchiv Landshut. Manches wurde schlicht nie archiviert, weil es nicht wichtig schien, und heute suchen wir fieberhaft danach. Und sind enttäuscht, wenn wir erfahren, dass sie unwiderbringlich verloren sind.
Was tun, wenn ich in meiner Ahnenforschung nicht weiterkomme?
Sackgassen sind oft nur Umwege. Doch manchmal ist sogar der Umweg nicht erkennbar. Lass dich nicht entmutigen, sondern konzentriere dich erstmal auf eine andere Stelle im Stammbaum. So manches Rätsel löst der Zufall genau dann, wenn man nicht mehr damit rechnet. Denn es gibt so viele Quellen und Möglichkeiten, die einem als Anfänger noch gar nicht bewusst sein können. Plötzlich eröffnen sich durch ein Gespräch, einen Vortrag oder Artikel neue Recherchemöglichkeiten. Jeder Familienforscher kann dir eine solche Geschichte erzählen, in der ihm der Zufall – manchmal nach Jahren – unerwartet doch noch eine neue Spur zur Lösung des Rätsels eröffnete.
Die überraschendsten Hinweise auf deine Vorfahren liegen oft am Rand
Das kann man wörtlich nehmen. Pfarrer ergänzten Besonderheiten manchmal am Rand oder unter den Einträgen. Zum Beispiel kann ein Heiratseintrag einen Verweis auf spätere Scheidung oder Annullierung enthalten. Ein Hinweis auf eine Gewalttat und deren Verurteilung findet sich in manchen Sterbeeinträgen. Solltest du also eine Urkunde bei einem Archiv oder Standesamt anfordern, weil diese nicht online abrufbar oder vor Ort einsehbar ist, achte darauf, immer um die Kopien von Originalurkunden zu bitten und nicht um eine Abschrift. Nur auf einer Kopie sind die originalen Anmerkungen zu sehen. Eine Abschrift übernimmt solche Notizen nicht.
Notiere dir auch angegebene Hausnummern – immer in Verbindung mit dem Datum des Eintrags. Solltest du einmal eine alte Stadtkarte finden, könntest du auf diese Weise die Lage des Hauses oder der Wohnung deiner Vorfahren ableiten. Vielleicht steht es sogar noch und du besuchst es bei Gelegenheit? So wird die Forschung lebendig.

Du wirst nach und nach in den Archiven immer mehr entdecken und erstaunt sein, welche Informationen darin schlummern und wo deine Vorfahren plötzlich überall auftauchen. In Zeitungsarchiven kannst du nach Sterbeanzeigen suchen (auch ein guter Weg, um an einem toten Punkt weiterzukommen), du lernst alte Berufsbezeichnungen kennen, die heute völlig unbekannt sind. Volkszählungsunterlagen geben dir Aufschluss darüber, mit wem deine Vorfahren zusammenlebten. Auch hier kann es überraschende Entdeckungen geben und du erfährst mehr über ihr Leben, als du dir jetzt vorstellen kannst.
Die Ahnenforschung ist – genau wie das Leben – bunt und voller Überraschungen.
Das gilt umso mehr, wenn du all die gesammelten Daten mit hinaus in die echte Welt nimmst. Das Gefühl vor dem Haus der Vorfahren zu stehen und zu wissen, dass sie täglich durch diese Tür gingen, um ihren alltäglichen Geschäften nachzugehen, ist ein faszinierendes Gefühl. Ahnenforschung muss nicht nur Schreibtischarbeit sein. Gerade wenn es dir darum geht, das Leben deiner Vorfahren wirklich zu verstehen, solltest du es ergänzend mit Erlebnis-Genealogie versuchen.
Mein wichtigster Rat: Suche nicht nur Daten – suche Geschichten
Klar, du musst erst wissen, wer deine Vorfahren waren, damit du etwas über sie herausfinden kannst. Die Suche nach deren Lebensdaten und Lebensorten ist also wichtig, und es macht Spaß, den Ahnen durch die Jahrhunderte hinterherzujagen, bis an den Beginn der Kirchenbücher.
Trotzdem möchte ich dir bei aller Sammelbegeisterung ans Herz legen, auch die Geschichten, die diese vielen Leben gezeichnet haben, zu sammeln und zu bewahren. Erinnerst du dich an den Anfang dieses Artikels? Alles begann mit einer Geschichte, die Neugier weckte. Oder der Frage nach Identität, Wurzeln und Herkunft. Das beinhaltet viel mehr als Orte und Daten. Es geht um Beziehungen, Kultur, Zugehörigkeit und Schicksale. Wenn du nun ohnehin zu deinen Verwandten gehst um sie nach ihrem Wissen über deine Vorfahren zu befragen, frag auch nach deren Geschichten.
„Wann und wo sind deine Eltern geboren?“ kann gefolgt sein von „Wie waren sie als Eltern?“ „Was haben sie gearbeitet?“ „Was war dein Lieblingsessen in der Kindheit?“
Wie weit kann man seine Vorfahren zurückverfolgen?
Bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts sind die Kirchenbücher überwiegend vorhanden und damit die Vorfahren relativ gut zurückzuverfolgen. Viele Ahnenforscher kommen auch noch bis ins 16. Jahrhundert, da in manchen Regionen schon damals das Führen von Kirchenbüchern für die breite Bevölkerung begonnen wurde, wobei es mit jedem Jahr schwieriger wird. Mit etwas Glück findet sich eine Adelslinie, die sich dann gut und gerne noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück verfolgen lässt.
Lass eine Aufnahme mitlaufen und dann hör zu. Du wirst erstaunt sein, was du alles erfährst.
Vielleicht hast du Lust, diese Geschichten irgendwann aufzuschreiben und damit ins Genealogische Schreiben zu schnuppern. Nun aber erstmal die Checkliste für deinen Start in die Ahnenforschung:
Checkliste zum Starten – ganz kompakt
- Schnapp dir ein Notizbuch oder eine App und notiere deine Fragen
- Erstelle eine Liste an Personen, die du ansprechen möchtest
- Notiere alle Informationen (insbesondere Religion, Daten und Orte) deiner Vorfahren
- Sammle auch Fotos, Geschichten und Sterbebilder
- Schaffe anschließend eine erste Struktur der bislang gesammelten Daten
- Identifiziere die ersten Fragen und entscheide, welche du zuerst verfolgst
- Suche nach dem richtigen Standesamt bzw. Kirchenbuch und suche den ersten Eintrag
- Hol dir Unterstützung von anderen Forschern und vernetze dich
- Hab Geduld und lass dich nicht von ersten Hürden verunsichern
- Sammle nicht nur Daten, sondern auch Geschichten
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