Outdoor-Genealogie

Überraschende Schätze der Ahnenforschung liegen oft direkt vor unserer Haustür. Ungeahnte Zusammenhänge können sich dir bei einem einfachen Spaziergang eröffnen. Damit Familienforschung noch lebendiger wird!

Jeder Genealoge wird bestätigen, dass die Ahnenforschung eine Schatzsuche ist. Unser Schatz: Daten und Zusammenhänge. Nicht umsonst finden sich die meisten davon in den dunklen Wintermonaten. Wenn die Abende länger, dunkler und kälter werden ziehen wir uns gemütlich zurück ins Winterlager von dem aus wir unzählige Seiten an Kirchenbüchern und anderen digital zugänglichen Archivalien durchforsten – immer auf der Suche nach verborgenen Schätzen.

Und doch ist Familienforschung noch viel mehr.

Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich nun auch den Weg bis in die hinterste Ecke der Forscherstube. Die Staubkörner erwachen aus ihrer Lethargie und tanzen darin ihren Frühlingstanz. Blinzelnd löst nun auch der Ahnenforscher seinen Blick vom Bildschirm und reibt sich die Stirn. Er streckt die müden Knochen, schnappt sich Peitsche und Hut und macht sich auf zu neuen Abenteuern.

Doch was können wir schon an Abenteuern erleben, wenn nicht ausgerechnet der heilige Gral ein langgehütetes Familienerbstück ist, das in einem versteckten Winkel des weitläufigen Schlosswaldes rund um den Familiensitz vergraben liegt?

Wir erforschen die Leben ganzer Generationen vor uns. Der Strich zwischen Geburtsdatum und Sterbedatum ist gefüllt mit harter Arbeit und ausgelassenen Feiern. Mit Angst, Schmerz und Hoffnung. Mit Schicksalen, die uns den Mund offen stehen lassen und Mut, den wir nur bewundern können. Darüber mehr zu erfahren ist meine Mission. Doch das geht nur teilweise am Schreibtisch.

Vieles können wir besser verstehen, wenn wir an die Orte des Geschehens zurückkehren. Wenn wir die Landschaft, vielleicht sogar die noch vorhandenen Gebäude auf uns wirken lassen. Deshalb reicht die Arbeit in Archiv und am Computer nicht aus, um die gesammelten Daten mit Leben anzureichern.

Was ist Outdoor-Genealogie?

Ich begreife Ahnenforschung als eine Mischung aus Theorie und Abenteuer. Forschung und Leben. Ich möchte all die über den Winter gesammelten Daten überführen in etwas Lebendiges. Etwas, das ich sehen, riechen, hören oder fühlen kann. Abstraktes wird konkret. Fühlt sich näher an. Merkbarer. Handfester. Echter.

Ganz nüchtern betrachtet ist „Outdoor-Genealogie“ ein von mir erfundener Begriff, der bisher schmerzlich fehlte und nun eine Bezeichnung für die Art der Familienforschung bietet, die mir so sehr am Herzen liegt und ich jedem Ahnenforscher, der sich für mehr als Zahlen und Daten interessiert, zur Erweiterung seiner Forschung empfehlen kann.

Für mich bedeutet Outdoor-Genealogie alles, was der Erforschung der eigenen Vorfahren dient, aber nicht klassisch in Urkunden, Archiven, Kirchenbüchern oder dem Dachboden gefunden werden kann. Es ist ein sehr weites Feld und reicht von echten Gesprächen beim Spaziergang bis hin zum Entdecken verschwundener Orte und Dörfer (Lost-Places). Das Freilandmuseum, in dem ich mehr über das alltägliche Leben meiner Vorfahren erfahre fällt ebenso darunter wie der Besuch in der Heimatstadt meiner Großmutter, wo ich ihren Schulweg nachlaufe.

Ich begehe alte, heute unbekannte Wege, tausche mich mit Forscherkollegen bei Ausflügen von Vereinen für Familienforschung aus und mit jedem meiner Schritte steigt die Wahrscheinlichkeit für einen wertvollen Zufallsfund für meine Forschung. Nur wer die Augen offen hält, findet den Schatz.

Ein Bild im Kopf und ein Duft in der Nase machen es leichter, sich zu erinnern.

Es ist kein Abwenden von der klassischen Ahnenforschung – sondern eine Erweiterung. Wie eine Frischluftpause, ohne die Forschung zu pausieren. Und in dieser Reihe möchte ich dir zeigen, wie auch du das angehen kannst.

Jeder Genealoge betreibt längst Outdoor-Genealogie

Denn wer saß nicht schon mit einem Eis oder einem Stück Kuchen in der Sonne mit Blick auf eine Burganlage und hat darüber nachgedacht, wie die Vorfahren wohl dieses Denkmal gesehen haben mögen?

Wer hat nicht schon an traditionellen Veranstaltungen teilgenommen und sich gefragt, wie diese wohl vor hundert Jahren begangen wurden? Wie hat sich der Karneval verändert, wie das Oktoberfest oder – ganz aktuell – die Maibaumtraditionen in Bayern und Österreich?

Selbst die hartgesottenenen Datenjäger wissen, dass Bewegung an der frischen Luft und der Aufenthalt in der Natur Kreativität und Problemlösungskompetenz erhöhen. Es kann also bei der Entzifferung der verschmiertesten Kurrentschrift helfen, das Kirchenbuch einen Moment zur Seite zu legen und das Gehirn durchzulüften.

Wie beginne ich mit Outdoor-Genealogie?

Nun, das dürfte die falsche Frage sein. Frage dich lieber:

Wo beginne ich meine Outdoor-Genealogie?

Schreibe heute noch eine Liste an Orten, die du gerne besuchen möchtest und plane deine Outdoor-Saison.

So schön die Sonne Anfang Mai auch durch das Fenster blinzelt und uns herauslockt – die grauen Herbsttage kommen irgendwann zurück. Vergiss also auf keinen Fall, deine Erlebnisse und gewonnenen Erkenntnisse aus deinen Abenteuern in Text und Bild festzuhalten, um sie später zu digitalisieren oder ins Programm einzupflegen.

Wenn du noch nicht weißt, was du mit den vielen Informationen anfangen sollst, die du draußen sammeln wirst, macht das nichts. Ich zeige dir in den nächsten Wochen und Monaten, wie du all die Eindrücke am besten sortierst und aufbereitest, damit sie deine Familienforschung so bereichern. Trage dich gerne in meinen Newsletter ein, um die nächsten Folgen der Serie nicht zu verpassen.

Denn wir alle wissen: Vor dem Sortieren und Konservieren der Forschungsergebnisse kommt das Suchen und Sammeln. Also los geht’s in die Outdoor-Saison der Ahnenforscher!

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