Genealogisches Schreiben – Was ist das?

Du möchtest das Leben deiner Vorfahren über die reinen Daten hinaus erforschen und bewahren? Aber eine ganze Biografie ist dir zu hoch gegriffen? Keine Sorge, es gibt viele Möglichkeiten dazuwischen. Was sich hinter den Begriffen „biografisches Schreiben“ und „genealogisches Schreiben“ verbirgt erkläre ich dir im Artikel. Damit du herausfindest, was am besten zu dir und deiner Forschung passt.

Ich bin selbst über den Blog zur Ahnenforschung des Pommerschen Greif e. V. zum ersten Mal auf das genealogische Schreiben gestoßen. (Hier zum sehr lesenswerten Artikel) Zuvor glaubte ich lange, es gäbe gar keinen Begriff für das, was ich in meiner Familienforschung mache. Neben der Datensammlung und der Erstellung von Stammbäumen interessierte mich auch alles dazwischen. Was passierte im Leben meiner Vorfahren zwischen deren Geburts- und Todesdatum?

Denn jedes Leben hat einschneidende Momente, kuriose Anekdoten, unterhaltsame Geschichten, beeindruckende Momente, die es wert sind, sie zu bewahren.

Für die Erlebnisse aus der Schulzeit, die Gespräche und Anekdoten aus Arbeit und Familie gibt es kein passendes Feld im Genealogieprogramm. Ein wildes Durcheinander an Schmierzetteln, Audioaufnahmen und Dokumenten mit unsortierten Geschichten und Erzählungen entstand. Nach kurzer Zeit fand ich mich selbst darin nicht mehr zurecht. Und so ging ich auf die Suche nach einer Lösung. Auf diesem Weg nehme ich euch in diesem Blog Schritt für Schritt mit und gebe dir Tipps und Hinweise, wie du diese unbezahlbaren Geschichten am besten sortierst, konservierst und vor dem Vergessen bewahrst.

Als Ahnenforscher und Genealogen verstehen wir uns als Wissenschaftler. Somit gilt auch für genealogisches Schreiben erstmal die bekannten Grundsätze: Für jede Erkenntnis und jede Behauptung brauchen wir eine Qulle – je verlässlicher desto besser. Natürlich enthält jeder Erlebnisbericht eine gewisse Subjektivität der erzählenden Person. Jemand anders würde dasselbe Erlebnis aus seiner Sicht vielleicht völlig anders bewerten. Daher ist immer auch die Beziehung der Erzählenden zum Beschriebenen zu berücksichtigen. Wichtig ist aber erstmal jede Quelle zu dokumentieren. Wer hat mir wann davon erzählt?

Trotzdem kann auch im genealogischen Schreiben eine gewisses Maß an Kreativität und Emotionen eingebracht werden. Schließlich sind es genau diese Dinge, die das Leben ausmachen.

Eine Biografie für die eigenen Vorfahren schreiben – bei besonders bewegenden Lebensgeschichten oder Schicksalen kann einem Ahnenforscher schon mal dieser Gedanke kommen. Anders als beim genealogischen Schreiben konzentriert sich eine Biografie immer auf eine bestimmte Person, die im Zentrum der Erzählung steht. Es wird in der Regel chronologisch dessen Leben erzählt von Geburt über Ausbildung und Jugend, Beruf, Privatleben hin zu Alter und Lebensabend.

Biografien sind in der Regel geschrieben, um veröffentlicht und einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht zu werden.

Deshalb enthalten manche Biografien auch fiktionale Elemente, wie etwa szenische Darstellungen von Gesprächen oder Ereignissen, um das Buch lebendiger und das Lesen somit interessanter zu machen. Es sollte zwar darauf geachtet werden, die Charaktere der Beteiligten dabei richtig darzustellen, doch findet sich darin bei aller Mühe immer ein fiktiver Anteil, wenn es keine Aufzeichnungen der Gespräche gibt.

Während sich die Biografiearbeit auf das Leben eines Vorfahren konzentriert, kann das genealogische Schreiben das Leben der ganzen Familie oder der Vorfahren einer Linie über Generationen hinweg beschreiben. Nach und nach können interessierte Ahnenforscher auf diese Weise den gesamten Stammbaum zurückverfolgen und die Familienchronik mit Leben füllen. Das genealogische Schreiben lässt zu, die Beziehungen von Ahnen untereinander darzustellen. Weil es dasselbe Ereignis aus dem Blickwinkel aller betroffenen Personen beschreibt statt nur eines Protagonisten.

Stell dir vor, eine Familie zieht in eine andere Stadt. Zwar erlebt die ganze Familie desselbe Ereignis, doch wird ein Kind dieses anders bewerten als die Eltern und die vielleicht zurückbleibenden Großeltern. Jeder wird den Umzug auf eine andere Weise erlebt haben.

Du spinnst also ein ganzes Netzwerk an Familiengeschichten aus verschiedenen Blickwinkeln und stellst damit die Beziehungen unter den Familienmitgliedern deines Stammbaums auf besondere Weise dar.

Auch für Ortschroniken kann diese Art des Schreibens interessant sein. Wie gestaltete sich das Leben im Dorf? Wie waren die Beziehungen unter den Nachbarn. Welche Vereine gab es und wie engagierten und organisierten sich diese im Heimatort und darüber hinaus?

Auch Freundschaften lassen sich durch genealogisches Schreiben in der Ahnenforschung abbilden. Hier mehr zu Freundschaft in der Ahnenforschung.

Wie wir in den Definitionen schon erfahren haben, kommt es sehr stark darauf an, welchen Zweck wir mit unseren Erzählungen erfüllen möchten. Möchten wir das Leben eines Vorfahren umfassend aufbereiten oder mehr über die vielen Leben im gesamten Stammbaum herausfinden?

Wenn es dir darum geht, den Stammbaum mit Leben, Geschichten und Beziehungen zu füllen, mehr über das Leben deiner Vorfahren zu erfahren oder einfach einen Einstieg in diese Art der Familienforschung zu bekommen, empfehle ich dir als Einstieg das genealogische Schreiben. Es eignet sich sehr gut für den Einstieg und zum Sammeln der ersten Geschichten und Erkenntnisse.

Im Übrigen schließt das eine das andere nicht aus: Wenn du mit dem genealogischen Schreiben beginnst, wirst du sehr bald feststellen, dass du schnell genug Material für nicht eine, sondern mindestens fünf Biografien gesammelt hast.

Um einen Einstieg in das Leben deiner Vorfahren zu finden, kann dir Erlebnis-Genealogie ganz besondere Einblicke ermöglichen. Nebenbei erlebst du Mikro-Abenteuer.Lies hier, was genau darunter zu verstehen ist.

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